Die vietnamesische Kultur

Vietnamese Culture

Obwohl die vietnamesische Kultur hauptsächlich von China beeinflußt wurde, ist sie dennoch eigenständig und einzigartig vietnamesisch. Die vielen ethnischen Minderheiten (Khmer, Cham und verschiedene Hill Tribes) haben die Kultur ebenso beeinflußt wie die Franzosen, die viele kulturelle und architektonische Spuren hinterlassen haben, während im Süden des Landes die ehemalige Präsenz der Amerikaner bis heute nachwirkt. Ländliche Gebiete und die ältere Generation sind nach wie vor dem traditionellen Lebensstil verpflichtet, während in den großen Städten westliche Einflüsse, von Essen bis Einkaufen, immer mehr zum Tragen kommen. Diese interessante Mischung aus traditionell und modern macht Vietnam zu einem faszinierenden Land und grenzt es auch von seinen Nachbarn ab.

Die Mehrheit der Vietnamesen betrachten sich als Buddhisten, aber Konfuzianismus und Taoismus haben Land und Leute mindestens ebenso stark beeinflußt. Der katholische Glaube ist ebenfalls verbreitet. Die Vielzahl katholischer Kirchen, besonders im Süden, überrascht viele Touristen. Obwohl beinahe 10% der Bevölkerung katholisch ist, spielen die älteren religiösen und philosophischen Lehren des Buddhismus, Taoismus und Konfuzianismus im Leben aller Vietanmesen eine große Rolle. Sie spiegeln sich besonders in den Sitten, Gebräuchen und kulturellen Normen wider.

Konfuzianische Lehren haben zu Respekt vor älteren Leuten geführt, sie bestimmen den Umgang mit der Familie und diktieren soziale Interaktionen. Der Taoismus mit seinen Prinzipien von Harmonie und Ausgewogenheit hat einen entscheidenden Einfluß auf alle Lebensbereiche, vom Essen bis zur Weltanschauung. Der Buddhismus schließlich ist die Basis für den Glauben der Vietnamesen an Wiedergeburt und Karma, der das Alltagsleben bestimmt.

Ahnenverehrung ist eine weit verbreitete Praxis in Vietnam, was man an den vielen Hausaltaren erkennen kann. Die Vietnamesen glauben, daß die Ahnen sie beschützen und ihnen helfen, weshalb ihnen tägliche Opfergaben, bestehend aus Obst und Räucherstäbchen, am Familienaltar dargebracht werden. Obwohl die Ahnenverehrung mit dem buddhistischen Konzept der Wiedergeburt unvereinbar ist, wird dies von den meisten Vietnamesen ignoriert - so wie in anderen Glaubensrichtungen religiöse Widersprüche oft nebeneinander existieren.

Das Konzept des "Gesichtbewahrens" ist ein weiterer interessanter Aspekt der vietnamesischen Kultur, der in ganz Asien eine wichtige Rolle spielt. Dieses Konzept kann für westliche Touristen zu frustrierenden Situationen führen. Es kann z.B. passieren, daß an der Hotelrezeption der Internetzugang bestätigt wird, obwohl es gar keinen Internetanschluß gibt, oder daß ein Fahrer versichert, er würde den Weg zu einem bestimmten Ort kennen, obwohl dies nicht der Fall ist. Nein zu sagen wird oft als unhöflich oder inkompetent angesehen, auch wenn damit im westlichen Sinne die Antwort nicht der Wahrheit entspricht. Auf der anderen Seite führt diese Praxis dazu, daß Vietnamesen so gut wie nie mit Touristen streiten, sondern im Gegenteil oft und gerne helfen. Dazu gehört auch, daß nicht laut geschrien oder argumentiert wird und man sollte unbedingt vermeiden, laut zu werden. Damit erreicht man überhaupt nichts.

Vietnamesen sind generell gesellschaftlich konservativ. In der Öffentlichkeit küßt man sich nicht, während Hände halten kein Problem ist. Um von Vietnamesen respektiert zu werden bzw. um Respekt zu zeigen sollte man in der Öffentlichkeit mit körperlicher Zuwendung eher zurückhaltend sein. Beim Betreten eines Tempels müssen unbedingt die Schuhe ausgezogen werden und man sollte nicht freizügug gekleidet sein (keine kurzen Hosen). Vietnamesen legen großen Wert auf Sauberkeit und schmutzige Schuhe in einen Tempel zu bringen wird als sehr unhöflich empfunden. Auch am Strand sind die Vietnamesen eher "zugeknöpft" - nackt oder oben ohne zu baden ist inakzeptabel und zu unterlassen.

Für mehr Information zur vietnamesischen Kultur, siehe auch unser Artikel über die vietnamesische Küche.